Inga Lühning und André Nendza

15. März 2019 | 20:00 Uhr | 15 €

bistro verde in der alten Schmiede
Maternusstraße 6 | 50996 Köln | 0221 93550417

Inga Lühning: vocals, loops, claps, whistles, snaps, kazoo
 | André Nendza: double bass, electric bass, bass slit drum, loops, vocal percussion

Beginnen wir faktisch: Gegründet wurde das Duo 2016, aber die musikalischen Wege der Sängerin Inga Lühning und des Bassisten André Nendza kreuzten sich auch zuvor immer mal wieder. Kennengelernt Anfang des Jahrtausends bei einer Studioproduktion, sang Inga einige Jahre später als Gast auf dem zweiten Album „Spectacles“ von André Nendza’s A-tronic. Knapp zehn Jahre später war dann die Zeit endlich reif, die musikalische Zusammenarbeit auf eine beständige Basis zu stellen. Es folgten Proben, bei denen musikalisches Material auf Duo-Tauglichkeit geprüft wurde. Erste Testgigs, um die fragile Besetzung auf festen Boden zu stellen. Weitere Konzerte und ein Live-Video-Mitschnitt im Kölner Loft. Und nun die erste CD „Hodgepodge Vol.1“. Im Kern – klassisch jazzmäßig – live aufgenommen, wurden die Aufnahmen durch den Toningenieur Christian Heck mit Liebe zum Detail zu einem besonderen Klangerlebnis verfeinert.

Und dieses Klangerlebnis lebt im wesentlichen von Klarheit. Manchmal nur eine wunderbare Stimme und einige tiefe Noten des Basses. Die Essenz der Musik. Melodie und Grundton als Ausgangspunkt der Reise. Weiter zu den vielfältigen Möglichkeiten dieser vermeintlich reduzierten Besetzung. Mit dem Ziel, eine Bandbreite von größtmöglicher Transparenz bis hin zu fast orchestralen Momenten zu schaffen. Dabei kommen, im Sinne der klanglichen Abwechslung und der unvoreingenommenen Spielfreude, neben den Hauptinstrumenten auch Klatschen, Fingerschnipsen, Kazoo, Bass-Schlitztrommel und manches mehr zum Einsatz. Loops machen auf der Bühne machmal Ärger, sorgen aber bei einigen Stücken für einen wunderbaren ostinaten Fluss. Auch dieser Klangfarbenreichtum lässt die CD keinen Moment langweilig werden, sondern lädt vielmehr zum wiederholten Hören ein.

Die Klarheit der Besetzung spiegelt sich auch im Grundthema der Auswahl des musikalischen Materials. Es dreht sich immer um Songs. Hier allerdings setzen Lühning-Nendza bewusst auf fantasievolles Durcheinander. Und so wird der Titel der CD „hodgepodge“ im Sinne von wildem Mischmasch zum gewollten Programm. 

Das Duo geht elegant den weiten Weg von der vermeintlichen Leichtigkeit der „Jackson 5“ zu der wortgewaltigen und zuweilen düsteren Welt Franz-Josef Degenhardts und finden auch bei Paul Simon und Ron Sexsmith höchst inspirierendes. Zudem neue und zum Teil völlig andersartige Versionen ihrer eigenen Kompositionen. Deutsche Songs stehen neben englischen Titeln. Alles ist erlaubt, nichts wird durch ein zu stringentes Konzept erdrückt. Sowohl bei den Interpretationen der Fremdkompositionen als auch bei der Gestaltung der eigenen Stücke für diese Besetzung geht es Lühning und Nendza darum, das Wesen der Stücke zu erhalten und diese zugleich mit großer Leichtigkeit in die eigene Welt des Duos zu transportieren. Gegensätze und Brüche werden dabei zusammengehalten durch die persönliche Stimme und Ausdruckskraft der beiden Musiker. 



Inga Lühning und André Nendza gelingt mit „Hodgepodge Vol.1“ eine vielfältig kreative musikalische Achterbahnfahrt, die die beiden Musiker und das Publikum gleichsam in ihren Bann zieht und dadurch schon jetzt Lust auf eine Fortsetzung macht.




Inga Lühning und André Nendza zu ihren jeweiligen Stückbeiträgen:



Graceland (Paul Simon)
André Nendza: Die Zeile „Loosing love is like a window in you heart“ ist eine der großartigsten in dem an großartigen Zeilen nicht armen Werk von Paul Simon. Mit dem Album „Graceland“ begann mein Interesse an – in Ermangelung eines besseren Wortes – „ethnischer“ Musik und festigte die Grundhaltung, sich von Klängen aller Art inspirieren zu lassen. Und diese dann aus der eigenen Perspektive zu gestalten.



Brainworks (André Nendza)
André Nendza: Ich höre ab und an auf WDR2 die Sendung „Sonntagsfragen“, bei der Gisela Steinhauer Gespräche mit interessanten Menschen führt. Das Spektrum geht dabei gefühlt vom Bienenzüchter bis zum Flüchtlingshelfer. Im Interview mit einem Schmerztherapeuten berichtete dieser davon, wie er Humor und Spaß als Mittel in der Therapie nutzt und prägte dabei den Satz „The brain works best on fun“. Und so hatte ich zugleich ein weiteres Lebensmotto als auch die Inspiration zu diesem Song gefunden.


Wölfe mitten im Mai / Vorstadtfeierabend (Franz-Josef Degenhardt)

André Nendza: Meine frühesten musikalischen Hörerfahrungen sind durch die Plattensammlung meiner Eltern geprägt. Hier traf schwarze Soulmusic auf deutsches Liedermacherwesen und unter anderem Degenhardt wirkte dabei mit seiner Sprachgewalt nachhaltig. Die offene Herangehensweise des Duos hinsichtlich der Liedauswahl gibt mir die Möglichkeit, auch diese textlich-musikalischen Inspirationsquellen in einen Jazzkontext zu setzen.

Secret Heart (Ron Sexsmith)
Inga Lühning: Manchmal wünsche ich mir, so ein grandioser Sänger und Songwriter zu sein wie der Kanadier Ron Sexsmith.
„Secret Heart“ wurde von ihm geschrieben und aufgenommen, und wurde auch schon von der ebenso wunderbaren kanadischen Künstlerin Leslie Feist veröffentlicht.
Ich finde die beiden und diesen Song einfach großartig !



Entfernung (Inga Lühning)

Inga Lühning: Zu der Zeit, als ich anfing, diesen Song zu schreiben, lief bei mir zuhause in Dauerschleife dieses eine Album „Bossa Duets“ von der großartigen brasilianischen Künstlerin „Joyce“. Außerdem waren die „Erdmöbel“, eine Deutschpopband aus Köln, bei mir gerade ganz hoch im Kurs. 
Es war Sommer, ich steckte damals gerade ziemlich glücklich und unglücklich zugleich in einer Fernbeziehung. 
So kam dieses Stück zustande, ursprünglich mal als Bossa gedacht.

Take heart (Inga Lühning)

Inga Lühning: Du sitzt Abends mit deinem Lieblingsmenschen bei einem schönen Glas Wein zusammen,
und bist total nervös, weil du ihm / ihr endlich gestehen willst, dass du eigentlich in ihn / sie verliebt bist, hast aber eben totale Panik vor einem Korb …
und fängst schließlich an zu singen, so wie früher als Kind, bevor du allein in den Keller gehen mußtest: Fass dir ein HerzS!
Yes! Denn wer nicht wagt, der gewinnt auch nicht!



Deep Water (Inga Lühning , Jens Bachmann)
Inga Lühning: Das ist ein Song von mir über stille tiefe Wasser.
Es kann soo beruhigend sein, jemanden um sich zu haben, der solch ein „stilles Wasser“ ist.
André begleitet mich auf dem Kontrabass, und sein Spiel ist wie dafür gemacht, um diese Ruhe auszudrücken.

Blame it on the boogie (M. Jackson, D. Jackson, E. Krohn)
André Nendza: Michael Jackson ist als Sänger und Komponist (und Tänzer … – aber ich tanze nicht) einer meiner Helden. Als Bassist ist natürlich der Erfindungsreichtum an songprägenden Basslines in vielen seiner Stücke ein wahres Freundenfest. Das Intro zu “Blame it …” ist dabei ziemlich weit vorne in den Top-Ten. Und wer ein verstecktes Prince-Zitat im Verlauf des Stückes hört, liegt auch nicht falsch.



Sunmaker (Inga Lühning)

Inga Lühning: Dieser Song war der Allererste, den ich je geschrieben habe.
Ich hatte totale Panik vor meinem Endexamenskonzert, also dachte ich, ich pack den Stier bei den Hörnern, und schreibe mir meinen eigenen Mutmachsong über den Sonnenmacher,
der dann einfach während des Examens bei mir sein würde.
Hat funktioniert :-).

No reason (André Nendza)

André Nendza: Ich wollte schon immer ein Stück mit einer durchgängigen Akkordfolge schreiben, über die sich dann unterschiedliche Melodien entwickeln können. Textlich geht es um eine perfekte Frau, welche mit einem ziemlichen Vollidioten, der sie auch noch schlecht behandelt, zusammen ist. Sie hat Besseres verdient und findet im Sinne des “Happy-Ends” dann “a halfway decent man”. Ich hoffe, auch das wird ihr letztendlich nicht reichen.



Before sunrise (André Nendza / Anne Hartkamp)

André Nendza: Dieser mittlerweile über zehn Jahre alte Titel wurde schon von unterschiedlichsten Sängerinnen interpretiert und ist für mich freudige Bestätigung dafür, das eigene Lieder ein sich frei entwickelndes Eigenleben haben. Er lebt ganz nachhaltig von Anne Hartkamps stimmungsprägenden Text und hat in der Duo-Version einen ziemlichen Drang ins „tarrantinoesque“. 


Inga Lühning Als eine der profiliertesten und erfolgreichsten Sängerinnen Deutschlands vereint Inga Lühning seit vielen Jahren erfolgreich die musikalischen Welten von Jazz und Pop. Stets stilsicher und geschmackvoll zieht sie mit Ihrer unvergleichlichen Stimme und einem außergewöhnlich feinen Gespür für Stimmungen und Texte Zuhörer auf der ganzen Welt in Ihren Bann. 
Mit ihrer Band „Lühning“ veröffentlichte sie zwei erfolgreiche Tonträger, die auch ihre Fähigkeiten als Komponistin und Texterin verdeutlichen. Inga Lühning tourte jahrelang als festes Mitglied der erfolgreichen Nu Jazz Band [re:jazz] durch Europa und Asien, spielte für das Goethe Institut Tourneen in China und Äthiopien, war als Backgroundsängerin mit den Fantastischen Vier und Marla Glen unterwegs und ist eine international äußerst gefragte Sängerin für Studioproduktionen, so ist sie zum Beispiel zu hören auf einem Album von Roger Cicero und auf den Platten von Tom Gäbel. Inga Lühning singt aktuell in der Band des Düsseldorfer Jazz- Pianisten Sebastian Gahler „Indigo Jazz Lounge“ und ist Teil von „Andreas Schnermann’s Poetry Clan“, wo sie als Stimme neben Rezitatoren wie Joachim Kròl, Christian Brückner, Otto Sander oder Hannah Herzsprung ein zunehmend großes Publikum begeistert, zum Beispiel bei Till Brönners Jazz’n’Talk Reihe im Bonner Schauspielhaus oder bei einem einwöchigen Engagement in der Berliner Bar jeder Vernunft.


Der Bassist und Komponist André Nendza gehört durch seine kontinuierliche Arbeit sowohl mit einer Vielzahl eigener Projekte (A.tronic, André Nendza Quintett, Tria Lingvo) als auch als gefragter Sideman (u. a. Philipp van Endert Trio) zu den profiliertesten Musikern der deutschen Musikszene. 
Der Bassist arbeitete live und / oder im Studio mit Musikern wie Dave Liebman, Kenny Wheeler, Rick Margitza, Paolo Fresu, Dominique Pifarély, Philip Catherine, Charlie Mariano, Adrian Mears, Dave Pike, Rob van den Broeck, Eivind Aarset, DJ Illvibe, Ramesh Shotham.
Nendzas Bassspiel ist auf über 60 Tonträgern (davon 13 unter eigenem Namen) sowie im Rahmen diverser Rundfunk- und TV-Mitschnitte dokumentiert worden. Features in allen relevanten deutschen „Jazzmedien“. Eigenes Label „Jazzsick records“ mit Philipp van Endert. 
André Nendza hat unzählige Konzerte im In- und Ausland gegeben. So spielte er z. B. bei den Leverkusener Jazztagen, Jazzfest Berlin, Festival Moers, Enjoy Jazz, Festival Besancon (F), Lille (F), Festival Ankara (T ), Rejkjavik (IS) und dem Jazzfestival The Hague (NL).
1997 wurde Nendza dann mit dem Kulturförderpreis der Sparkassenstiftung NRW ausgezeichnet. 2012 erhält Nendza den ECHOJAZZ in der Kategorie „Bass, national“ für sein Album „Rooms restored“. 2014 gewinnt er mit „Tria Lingvo“ das Finale des “Neuen Deutschen Jazzpreises”. 
Zwischen 2007 und 2012 schrieb Nendza regelmäßig für „Blogthing“, den online-Blog der Zeitschrift „Jazzthing“.
Nendza studierte an der Hochschule der Künste, Hilversum (NL) und an der Jazzabteilung der Musikhochschule Köln. 
André Nendza ist auch als Pädagoge präsent: so leitet er seit 1997 das „Vorstudium Jazz“ der Kölner „Offenen Jazz Haus Schule“, Köln. Darüber hinaus unterrichtete Nendza als Gastdozent an den Musikhochschulen Frankfurt, Arnheim (NL), Bloomington (US) und Dresden sowie an der „Summer Jazz School“ in Edinburgh. An der Design-Hochschule „KISD“ in Köln entwickelte er musikalische Spezial-Projekte für Designer. Zudem gehört er zum festen Dozententeam des Kurses “jazzemble” in der Akademie Remscheid.

Foto: André Nendza